Ausgangssituation
Als Leiter:in in einer Einrichtung der Behindertenhilfe und Psychiatrie haben Sie es mit einem sehr komplexen Aufgabenspektrum zu tun. Der tiefgreifende Strukturwandel, der durch die UN Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen angestoßen und mit dem Bundesteilhabegesetz konkretisiert wurde, stellt viele bisherigen Sicherheiten und Gewohnheiten in Frage. Auch die digitale Transformation stellt im Bereich der Eingliederungshilfe viele Abläufe „auf den Kopf“, führt zu neuen Möglichkeiten und erfordert von allen Beteiligten die Bereitschaft und Fähigkeit, sich auf Neues einzulassen.
Nicht zuletzt bekommt es eine immer größere Bedeutung, Mitarbeitende an das Unternehmen zu binden und neue Fachkräfte zu gewinnen. Bei Ihren Entscheidungen stehen Sie im Spannungsfeld zwischen den Interessen der Menschen mit Behinderung, Ihren Mitarbeitenden, den Interessen der Organisation sowie dem sozialen Umfeld. Um dieses Spannungsfeld nicht nur aushalten, sondern möglichst konstruktiv gestalten zu können, ist es wichtig, eine klare Vorstellung von der eigenen Rolle als Führungskraft zu haben und zu entwickeln.
Wer führt, agiert in Beziehungen und Prozessen, die von vielen Variablen gekennzeichnet und von sich manchmal gegenseitig ausschließenden Erwartungen geprägt sind.
Führungsverhalten und Leitungshandeln sind geprägt von
- der eigenen Persönlichkeit und beruflichen Biographie
- dem Konzept des Unternehmens, seinen Werten sowie seiner Aufbau- und Ablauforganisation
- den Erwartungen von außen (Vorgesetzte, Mitarbeitende, Menschen mit Behinderung und deren Angehörige bzw. gesetzl. Betreue:innen)
Zielsetzung und Lernansatz
Ziel ist es, Sie als Führungskraft in Ihrer Identität als Leiter:in zu stützen, so dass Sie Ihre Führungsaufgaben rollenangemessen, personen- und sachbezogen wahrnehmen können.
- Sie vergewissern sich über das berufliche Selbstverständnis im Hinblick auf den eigenen beruflichen Werdegang, die erworbene Fachkompetenz und den persönlichen Werthintergrund,
- Sie klären Ihre Rolle gegenüber den nachgeordneten Mitarbeitenden, den Menschen mit Behinderung und dem/der eigenen Vorgesetzten,
- Sie entwickeln und erweitern Ihr methodisches Führungsrepertoire,
- Sie reflektieren Konzepte und Strukturen im eigenen Arbeitsbereich und im System der Behindertenhilfe und setzen sich mit Wertvorstellungen Ihrer Träger auseinander.
Inhaltliche Schwerpunkte
Nachfolgende Themenbereiche werden im Verlauf des Kurses bearbeitet.
Persönliche berufliche Identität
- Erweiterung der Selbst- und Fremdwahrnehmung, Umgang mit Gefühlen, Phantasien und Vermutungen, Umgang mit Macht und Ohnmacht, Nähe und Distanz, Rivalität, Angst, Neid, usw.;
- Entwicklung einer sach- und beziehungsorientierten Kommunikations- und Konfliktfähigkeit;
- Reflexion von persönlichen Bedingungen wie z.B. berufliche Herkunft, Lebensalter, Geschlechtsidentität;
- Entwicklung eines persönlich-fachlichen Führungsstils und Perspektiven für ein Führungskonzept.
Rollen, Aufgaben und Verhalten
- Analyse und Bewertung des eigenen Aufgabenbereiches;
- Gestaltung von Veränderungsprozessen;
- Methodische und persönliche Anforderungen an ein zielgerichtetes Führungshandeln wie Ziele setzen und vereinbaren, entscheiden, durchsetzen, delegieren, kontrollieren, informieren, beraten, verhandeln
- Umsetzung der Mitarbeiterführung in ausgewählten Bereichen: Mitarbeitergespräche, Leitung von Dienstbesprechungen und Konferenzen;
- Leitungsaufgaben im Umgang mit Menschen mit Behinderung und deren Angehörigen, gegenüber dem Träger und den Vorgesetzten sowie der Öffentlichkeit und Kostenträgern;
- Umgang mit Konflikten, Erwerb von Belastbarkeit und Klarheit;
- Erhalt der Arbeitsfähigkeit - auch bei hoher Belastung;
- Diagnose und Reflexion von Gruppenprozessen und Prozessen in Organisationen, Differenzierung von Leitungsfunktionen in Gruppen.
Rahmenbedingungen der institutionalisierten Behindertenhilfe
- Selbstbestimmung/Teilhabe als Werte für die Arbeit mit Menschen mit Behinderung;
- Umwandlung der Angebote durch Dezentralisierung, Ambulantisierung, Gemeindenähe, Budgetierung, sozialraumorientierte Konzepte;
- Ziele, Werte und Strukturen der Behindertenhilfe in katholischer Trägerschaft und in der Caritas;
- Wahrnehmen der Organisationskultur und Organisationsdynamik, (Mit)Gestalten von Veränderungsprozessen;
- Aktuelle Situation der Behindertenhilfe im System freier und staatlicher Wohlfahrtspflege (z.B. zum aktuellen Stand sozialpolitischer und leistungsrechtlicher Diskussionen).
Arbeitsformen
Im Kursverlauf werden Lernformen moderner Erwachsenenbildung angewandt, die an die Praxiserfahrungen und die beruflichen, sozialen sowie persönlichen Kompetenzen der Teilnehmer:innen unmittelbar anknüpfen. Die Gruppensituation im Kurs – sei es im Plenum oder in Arbeitsgruppen – wird als Lernfeld genutzt. Berufsrollenbezogene Selbsterfahrung, Prozessdiagnosen, Rollenspiele, Transferübungen und Kurzreferate sind u. a. die methodischen Mittel.
Zulassungsbedingungen
Anstellung als Leiter:in seit mindestens einem halben Jahr vor Kursbeginn. Die Teilnehmenden sollen in der Mitarbeiter:innenführung mit Verantwortung für die Fachlichkeit und Kooperation nachgeordneter Mitarbeiter:innen und Mitarbeiter:innengruppen tätig sein. Sie sind nicht direkt dem Träger unterstellt.
Lernorganisation
Der Kurs umfasst fünf fünftägige Abschnitte (Montag bis Freitag) und einen zehntägigen Abschnitt (Montag bis Mittwoch, das Wochenende ist ab Samstagmittag frei) sowie zehn eintägige Treffen in dezentralen Supervisionsgruppen.
Vor Kursbeginn finden Einführungstage online statt. Sie gehen dem Kurs voraus und dienen der ausführlichen Information über das Kurskonzept.
Der Kurs schließt mit einem Kolloquium ab. Der Abschluss wird mit einem Zertifikat bestätigt.
Der Kurs ist in Kombination mit dem Grundlagenseminar von CAPhandy als sonderpädagogische Zusatzqualifikation anerkannt.
Der Bundesverband Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e.V. (CBP), Fachverband im Deutschen Caritasverband (DCV), bestätigt die Eignung dieser Weiterbildung im Sinne des § 2 der Heimpersonalverordnung für Wohnangebote für Erwachsene mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen.
Einführungstage
Die Einführungstage gehen dem Kurs verpflichtend voraus.
Sie dienen dem
- Bewusstmachen der eigenen Anliegen für den Kurs
- Kennenlernen des Kurskonzepts, der anderen Interessierten und der Leitung
- Abgleich des Kursangebots mit den eigenen Anliegen
Supervision:
Zwischen dem ersten Kursabschnitt und dem Kolloquium finden zehn eintägige regionale Supervisionsgruppen-Treffen statt.
In der Supervision werden Alltagssituationen reflektiert, die den Kursteilnehmer:innen in ihren konkreten Arbeitssituationen begegnen. Die Gruppen werden während des ersten Kursabschnittes gebildet; sie werden begleitet von Supervisor:innen, die von der Fortbildungs-Akademie benannt werden.
Kursabschluss:
Der Kurs wird mit einem Kolloquium abgeschlossen. Die erfolgreiche und vollständige Teilnahme wird mit einem Zertifikat bestätigt.
Zulassungsbedingungen
Anstellung als Leiter:in seit mindestens einem halben Jahr vor Kursbeginn. Die Teilnehmenden sollen in der Mitarbeiter:innenführung mit Verantwortung für die
Fachlichkeit und Kooperation nachgeordneter Mitarbeiter:innen und Mitarbeiter:innengruppen tätig sein. Sie sind nicht direkt dem Träger unterstellt.
Anmeldung
Bitte melden Sie sich mit dem Online-Formular an.
Am Kurs können maximal 20 Teilnehmer:innen teilnehmen. Der Eingang der Anmeldung wird von der Fortbildungs-Akademie schriftlich bestätigt.
Wird die maximale Teilnehmer:innenanzahl überschritten, führt die Kursleitung ein Auswahlverfahren durch.
Die Kriterien hierfür sind
- maximal ein/eMitarbeiter:in derselben Organisation
- ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis
Die Bestätigung oder die Absage zur Teilnahme erhalten Sie ca. drei Monate vor den Einführungstagen. Wenn Sie eine Absage erhalten, stehen Sie automatisch auf der Warteliste.
Zu den Einführungstagen werden nur so viele Interessent:innen eingeladen, wie Plätze für den Kurs vorgesehen sind. Erst nach den Einführungstagen erfolgt die endgültige Teilnahmevereinbarung durch die beidseitige schriftliche Bestätigung.
Wird die Mindesteilnehmendenzahl nicht erreicht, behält sich die Akademieleitung vor, die Veranstaltung nur mit einem/r Dozent:in durchzuführen oder abzusagen.
Termine und Orte
Einführungstage: 29. – 30. April 2027 (2 Tage) online
1. Abschnitt: 28. Juni – 02. Julil 2027 (5 Tage) in Freiburg
2. Abschnitt: 29. November – 03. Dezember 2027 (5 Tage) in Freiburg
3. Abschnitt: Frühjahr 2028 (5 Tage) in Freiburg
4. Abschnitt: Herbst 2028 (5 Tage) externes Tagungshaus nicht in Freiburg
5. Abschnitt: Frühjahr 2029 (5 Tage) in Freiburg
6. Abschnitt: Herbst 2029 (10 Tage inkl. Kolloquium) in Freiburg
Die separate Buchung von einzelnen Kursabschnitten ist nicht möglich!
Kosten und Zahlungsmodalitäten
Teilnahmegebühr
Einführungstage: 100,00 €
1. Abschnitt: 1.180,00 €
2. Abschnitt: 1.180,00 €
3. Abschnitt: 1.180,00 €
4. Abschnitt: 1.205,00 €
5. Abschnitt: 1.180,00 €
6. Abschnitt: 1.955,00 €
Supervision: 1.550,00 € (10 Treffen à 155,00 €)
Teilnahmegebühren insgesamt: 9.530,00 €
Zu den Teilnahmegebühren kommen noch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung:
Der Tagessatz im Caritas Tagungszentrum beträgt derzeit 139,00 € (Übernachtung: 72,50 € und Verpflegung: 66,50 €). Im genannten Übernachtungspreis ist die Übernachtungssteuer der Stadt Freiburg bereits enthalten.
Die Tagungspauschale für Verpflegung (Mittagessen, Tagungsgetränke, Kaffeepausen, Abendessen, etc.) ist mit der Anmeldung obligatorisch gebucht.
Die Preise richten sich nach der gültigen Preisliste des jeweiligen Tagungshauses, bitte planen Sie eine Preiserhöhung ein.
Für die Supervisionstreffen entstehen den Teilnehmenden zusätzliche Kosten für Fahrt, Verpflegung und ggf. Unterbringung.
Die Teilnahmegebühr sowie die Kosten für Unterkunft und Verpflegung werden vor Beginn eines Kursabschnittes durch die Fortbildungs-Akademie in Rechnung gestellt.
Für Ihre Teilnahme gibt es verschiedene Fördermöglichkeiten. Mehr dazu finden Sie auf unserer Homepage www.caritas-akademie.de
Kooperationspartner
Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie (CBP) e.V.
Zielgruppe
Leiter:innen in Einrichtungen der Behindertenhilfe, z.B.
Leiter:innen von Wohnangeboten (Wohnheimen und -bereichen),
Leiter:innen von Werkstätten für Menschen mit Behinderung
Leiter:innen von Tagesförderstätten,
Leiter:innen von Kindertagesstätten,
Schulleiter:innen,
Leiter:innen von Berufsbildungswerken
Zulassungsbedingungen
Anstellung als Leiter:in seit mindestens einem halben Jahr vor Kursbeginn. Die Teilnehmenden sollen in der Mitarbeiter:innenführung mit Verantwortung für die Fachlichkeit und Kooperation nachgeordneter Mitarbeiter:innen und Mitarbeiter:innengruppen tätig sein. Sie sind nicht direkt dem Träger unterstellt.
Max. Teilnehmerzahl
20
Kosten
9.530,00 € zzgl. Kosten für Verpflegung und ggf. Unterkunft
Veranstaltungsnummer
K2027-06